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Presse

General-Anzeiger, Bonn, 21. Mai 2007

Alle loben die perfekte Organisation

Marathon | In Windhagen gehen mehrere hundert Läufer für einen guten Zweck an den Start. Schorsch Hackl ehrt die Sieger.

WINDHAGEN. Thomas Mauel kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Das ist eine tolle und eine schwere Strecke. Dieser Marathon ist einer der schönsten Wettbewerbe überhaupt“, jubelte der 41-jährige Läufer von der SSG Königswinter. Und das lag nicht nur an dem Start-Ziel-Sieg des Römlinghoveners nach 3Stunden und 15 Minuten. „Ein Begleitradfahrer, die liebevolle Betreuung der Verpflegungsstellen“ waren weitere Aspekte, die den Marathoni veranlassten, den rührigen Organisatoren eine Wiederholung des Windhagener Marathons ans Herz zu legen. Kaum hatte der Gewinner seine Medaille um den Hals, da wurde ihm auch schon ein Bier in die Hand gedrückt, alkoholfrei versteht sich. Bei dieser Veranstaltung hatte das 120 Mann und Frau starke Orga-Team des SV Windhagen um Vorsitzenden Josef Konrads eben einfach an alles gedacht. Und vor allem auch an Menschen, die andere Sorgen haben als einen Marathon, solche nämlich, die täglich um ihr Überleben kämpfen müssen. Der komplette Erlös der Veranstaltung wird nämlich der Aktionsgruppe „Kinder in Not“ gespendet.
„Ich freue mich riesig. Alle Windhagener Vereine unterstützen uns. Das ist eine große Motivation für uns“, meinte die Gründerin von „Kinder in Not“, Gisela Wirtgen, die den ganzen Tag an Start und Ziel oder am Infostand verbrachte. Seit 1983 engagiert sich diese Gruppierung für Kinder in Indien, Chile, Brasilien, Argentinien und auf den Philippinen. 25 Hilfsprojekte werden gegenwärtig betreut. „Zu hundert Prozent kommen alle gespendeten Mittel dort an“, stellte Gisela Wirtgen der Läufergemeinde im Stadion ihre Arbeit vor. Das war schon beeindruckend. Und so mancher überlegte sich, vielleicht eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen. So wie Barbara und Matthias Kügelgen aus Windhagen etwa. Sie haben nun ein Patenkind auf den Philippinen. „Unser Sohn Paul hatte gerade eine Operation in der Kinderklinik in Sankt Augustin gut überstanden. Das war jetzt noch extra ein Anstoß, für ein anderes Kind da sein zu wollen“, so Matthias Kügelgen.
Töchterchen Amelie (4) lief indes die 400 Meter mit. Sie gehörte zu den rund siebzig Mädchen und Jungen beider Windhagener Kindergärten, die sich auf eine Runde ums Stadion genauso eifrig vorbereitet hatten wie so mancher Halb- oder Marathonläufer. Auch Victoria Dabs fieberte dem ersten Wettkampf ihres Lebens entgegen. Die Fünfjährige aus dem Kindergarten St. Bartholomäus mit den blonden Zöpfchen nahm dann stolz die Medaille von Schirmherr Georg Hackel entgegen. Konnte ja auch nichts schief gehen: Victoria hatte nicht nur mit SV-Übungsleiterin Sabine Simons seit Wochen trainiert, sondern ihr Maskottchen „Äddi“ mitgebracht. Sogar ein Trikot hatte Victoria ihrem Bären geschneidert, und Papa Achim heftete „Äddi“ die Startnummer 857 an. Die war selbstgefertigt und natürlich nicht von der Ausgabestelle im „Forum“.
In der Halle war nicht nur das Buffet mit 400 Brötchen und gespendeten Kuchen aufgebaut, sondern dort konnten sich Kurzentschlossene für die verschiedenen Wettbewerbe nachmelden, nachdem bereits 500 Starter vorher ihr Kommen angekündigt hatten. Maximilian Soost: „Gestern hatten wir noch sechzig Nachmeldungen, heute morgen 150.“ Auch Günter Reichert aus Aegidienberg ließ sich erst kurz vor dem Start in die Teilnehmerliste eintragen. Er wanderte die zehn Kilometer und hakte danach diese Disziplin für das Deutsche Sportabzeichen ab. Andere griffen zu Stöcken, machten beim Nordic walking mit. Siebzig Läufer beteiligten sich am Marathon, 192 entschieden sich für die halbe Distanz. „Ich habe gerade erst einen Marathon gehabt. Heute bin ich nur Halbmarathon gelaufen“, so Ernst Nellessen aus Bad Honnef. „Es hat richtig Spaß bereitet hier.“ Das galt auch für Josef Thomas (70) und Franz Bellinghausen (76): Und die beiden erfolgreichen Senioren aus dem Siebengebirge können ein Wörtchen mitreden. Sie waren schon bei bedeutenden Wettkämpfen am Start.
Die weiteste Anreise hatte Michael Friedl. Er lebt in Istanbul. Zum Familienausflug indes nutzten die Fuhrs und die Dünnwalds aus Neustadt den Windhagener Marathon. „Ich bin schon halb sieben aufgestanden“, meinte aufgeregt die kleine Judith (8) vor ihrem Start. Ihre Mutter Martina Dünnwald lief die fünf Kilometer. Und die beiden Cousins Julian (11) und René (8) gingen ebenso ins Rennen wie deren Vater Jürgen Fuhr, der die Halbmarathon-Strecke bezwang. Hierbei siegte Karl-Heinz von Lovenberg von der SSG Königswinter. Dem Spitzenläufer voraus fuhr jeweils ein Radfahrer. Wolfgang Walgenbach begleitete die erste Läuferin, Erich Kurtenbach machte für Thomas Mauel die ganze Distanz über „Bahn“. Und Norbert Thielemann bildete das Schlusslicht. Sie hatten Kontakt zum Start, gaben auch Zwischenberichte an den Stadionsprecher Detlef Uhlemann durch. Und der Bundestrainer Laufstrecke verstand es, die Zuschauer mitzureißen: „Jetzt noch einmal eine Laola-Welle.“ Windhagens Bürgermeister Josef Rüddel (82) staunte nur: „Das ist eine großartige Sache – für Windhagen und für die Dritte Welt.“
Roswitha Oschmann
Generalanzeiger Bonn / Bad Honnef, 21. Mai 2007

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